Lili Grün

Schauspielerin und Schriftstellerin

* 1904   † 1942

 

Kindheit: Herkunft, Tod der Eltern, Schule und Ausbildung, erste Erfahrungen am Theater

Lili Grün wurde am 3. Februar 1904 in Wien als Tochter des Kaufmannes Hermann (Armin) Grün und seiner Frau Regina geboren. Sie war das jüngste von vier Geschwistern. Ihr Vater war ein Schnurrbartbinden-Fabrikant und vertrieb Parfumerie- und Friseursbedarfsartikel. Ihre Mutter starb, als Lilli 11 Jahre alt war, im Alter von nur 46 Jahren an den Folgen eines Hirnschlags. Sechs Jahre nach der Mutter starb auch ihr Vater. Er erlag einem chronischen Nierenleiden, das er sich während seines Kriegsdienstes zugezogen hatte.

Ihre Kindheit verlief bis zum Tod der innigst geliebten Mutter unbeschwert. Sie war tief erschüttert und versuchte den Verlust auch literarisch zu verarbeiten. Die Protagonistinnen ihrer Romane waren stets Halb- oder Vollwaisen.

Lili Grün besuchte zunächst die Volks- und Bürgerschule. Danach ließ sie sich zur Kontoristin ausbilden. Die kaufmännische Schiene empfand sie jedoch nur als “lästigen Brotberuf”. Ihr ganzes Streben wendete sich dem Theater zu. Schon als junges Mädchen dürfte sie an Wiener Theatern zuerst Kinderrollen und später StatistInnen- und KomparsInnenrollen gespielt haben. Im Roten Wien der Goldenen 1920er-Jahre trat sie an der neu gegründeten Bühne der sozialistischen Arbeiterjugend auf.

Berliner Zeit: Mitglied des Kabaretts "Die Brücke", Veröffentlichungen von Gedichten und Geschichten, Arbeit in einer Konditorei

Ende der 1920´er Jahre verließ sie Wien und begab sich in die Kulturmetropole Berlin. Sie gehörte dort bald zur quirligen Kabarett­szene, und war rasch Mitglied des politisch-literarischen Kabarett-Kollektivs "Die Brücke". Lili Grün veröffentlichte Gedichte und Geschichten im Berliner Zeitgeist-Magazin “Tempo”, im renommierten “Prager Tagblatt”, im “Wiener Tag” oder in der ”Jugend”. Ihr Leben war in dieser Zeit davon geprägt, tagsüber in einer Konditorei zu arbeiten und abends ihre eigenen Gedichte vorzutragen.

Rückkehr nach Wien, Lungenkrankheit, erster Roman

Es ist davon auszugehen, dass Lili Grün noch in Berlin an Tuberkulose erkrankte und nach Wien zurück kehrte, um in einer Lungenheilstätte zu gesunden. Ihre Berlin-Erlebnisse verarbeitete sie in ihrem Roman “Alles ist Jazz” (damals unter dem Titel “Herz über Bord” im Jahre 1933 erschienen). Lili Grün wurde von der Wiener Presse für ihr literarisches Debüt bejubelt. Die Krankheit flammte wenig später wieder auf. Sie konnte nur wenig arbeiten und bestritt ihre Existenz durch Tantiemen ihres Buches und einem Vorschuss vom Zsolnay Verlag für ihr zweites Buch "Loni in der Kleinstadt".
Ebenfalls 1933 wurde sie, neben Hilde Spiel, für den Julius-Reich-Dichter-Preis vorgeschlagen. Übersetzungen ihres Erstlings ins Ungarische und Italienische folgten 1933 bzw. 1934.

Gemeinsam mit Ernst Spitz via Prag nach Paris, schlechter Gesundheitszustand, baldige Rückkehr nach Wien

Noch im Oktober 1933 verließ Lili Grün neuerlich Wien. Diesmal ging es gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten, dem Journalisten und Schriftsteller Ernst Spitz, via Prag nach Paris. Ihre Lungenerkrankung hatte sie offenbar nur notdürftig auskuriert. Sie war immer wieder krank, ihr Gesundheitszustand war miserabel. Dieser Umstand sowie ihre dramatische finanzielle Notlage zwangen sie schließlich, Anfang 1935 in ihre Heimatstadt zurückzukehren.

Spendenaktion des Zsolnay-Verlags, Kur in Meran, "Loni in der Kleinstadt"

Der Zsolnay-Verlag, bei dem sie ihre Romane veröffentlicht hatte, führte für Lili Grün im Frühjahr 1935 eine Spendenaktion durch. Dadurch wurde ihr ein längerer Kuraufenthalt in Meran möglich. Hernach schloß sie endlich ihren Theater-Roman “Loni in der Kleinstadt” ab. Sie veröffentlichte auch weiterhin regelmäßig Gedichte und Prosatexte in Zeitungen und Magazinen.

"Junge Bürokraft übernimmt auch andere Arbeit"

Ihre Novelle “Anni hat Unrecht” wurde nicht verlegt. Ihr letzter Roman "Junge Bürokraft übernimmt auch andere Arbeit" wurde lediglich als Zeitungsabdruck im “Wiener Tag” 1936 veröffentlicht.

Lili Grün war eine fortschrittliche Denkerin, wie ihre Romane belegen. Sie kreierte emanzipierte Frauen, die sich in offenen Gesprächen ohne Tabus austauschen. Damit war sie ihrer Zeit wohl ein großes Stück voraus.

Publikationsverbot durch die Nationalsozialisten, Vertreibung, Ermordung in Maly Trostinec

Nach der nationalsozialistischen Okkupation Österreichs im März 1938 hatte Lili Grün als jüdische Schriftstellerin schlagartig keine Möglichkeit mehr zu publizieren. Aufgrund ihrer Krankheit und Armut hatte sie auch keine Möglichkeit, zu emigrieren. Sie wurde 1938 mit der Begründung “Nichtarier” aus ihrer Wohnung vertrieben. Nach mehreren ‚Delogierungen‘ war sie zuletzt in einem ‚Massenquartier‘ für Juden und Jüdinnen im 1. Wiener Bezirk untergebracht. Am 27. Mai 1942 wurde Lili Grün aus Wien deportiert und noch am Tag ihrer Ankunft im weißrussischen Maly Trostinec am 1. Juni 1942 ermordet.

Gedenkorte

In der Heinestraße 4 im 2. Wiener Gemeindebezirk gibt es einen „Stein der Erinnerung“ im Gedenken an Lili Grün.

2009 wurde ein Platz im Bereich Klanggasse/Castellezgasse, ebenfalls im 2. Wiener Gemeindebezirk, nach ihr benannt.

Weblinks

Wir erinnern uns

Sie sind eingeladen, Ihre persönliche Erinnerung an
Lili Grün nieder zu schreiben.

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